Fatigue ist eine der häufigsten und zugleich belastendsten Neben- und Spätfolgen bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit einer Krebserkrankung. Bereits während der Therapie berichten rund 70–75% der Betroffenen über eine ausgeprägte Erschöpfung, bei etwa 30% tritt sie in schwerer Form auf.1 Auch nach Abschluss der Behandlung bleibt Fatigue häufig bestehen: 20–35% der Survivor leiden noch Jahre später unter relevanten Symptomen – deutlich häufiger als Gleichaltrige ohne Krebserkrankung.3 Die AWMF-S3-Leitlinie zur psychosozialen Versorgung weist ausdrücklich darauf hin, dass Fatigue ein zentrales Thema der Nachsorge ist und frühzeitig adressiert werden sollte.1
Fatigue ist nicht mit normaler Müdigkeit vergleichbar. Viele Betroffene beschreiben ein plötzliches, kaum vorhersehbares „Herunterfahren des Akkus“, das sich durch Schlaf oder Ruhe nicht ausreichend bessert. Neben der körperlichen Erschöpfung treten häufig Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, verlangsamtes Denken und eine deutlich reduzierte Belastbarkeit auf. Schule, Ausbildung, Studium, Beruf und soziale Aktivitäten werden dadurch massiv beeinträchtigt. Da Fatigue von außen meist nicht sichtbar ist, erleben viele junge Survivors zusätzlich Unverständnis oder Bagatellisierung im Umfeld, was die psychische Belastung weiter verstärkt und die Lebensqualität erheblich einschränkt.
Die Ursachen von krebsassoziierter Fatigue sind vielfältig und meist multifaktoriell. Dazu zählen unter anderem die Folgen intensiver Chemo- oder Strahlentherapien, bestimmte Medikamente, Blutarmut oder hormonelle Störungen, kardiale oder pulmonale Spätfolgen, chronische Schmerzen sowie Schlafstörungen. Auch psychische Belastungen wie Angst, depressive Symptome oder anhaltender Stress spielen eine wichtige Rolle. Zusätzlich kann eine längere Phase körperlicher Inaktivität während der Therapie den Erschöpfungszustand verstärken. Die Leitlinie betont, dass Fatigue fast immer durch das Zusammenspiel mehrerer Faktoren entsteht und daher individuell betrachtet werden muss.
Eine schnelle oder einfache Lösung gibt es nicht. Dennoch zeigen mehrere wissenschaftlich gut belegte Ansätze, dass Fatigue wirksam gelindert werden kann. Dazu zählen vor allem angepasste körperliche Aktivität, insbesondere Ausdauertraining, das sowohl Fatigue als auch psychischen Stress reduzieren kann. Ebenso wichtig sind Energiemanagement-Strategien, um vorhandene Kräfte bewusster einzuteilen, sowie Achtsamkeits- und Entspannungsverfahren zur Stressreduktion. Psychologische Unterstützung kann helfen, mit den Folgen der Erkrankung umzugehen. Ergänzend ist eine medizinische Abklärung behandelbarer Ursachen – etwa Eisenmangel oder Schilddrüsenfunktionsstörungen – essenziell.
Was hilft?
Eine schnelle Lösung gibt es nicht, aber mehrere gut belegte Ansätze können Fatigue wirksam lindern:Angepasste körperliche Aktivität, besonders Ausdauertraining.4
Entscheidend ist, Fatigue in der Nachsorge aktiv anzusprechen, ernst zu nehmen und individuell zu behandeln. Die AWMF-Leitlinie unterstreicht, dass psychosoziale Nachsorge ein fester Bestandteil der Langzeitversorgung sein muss. Fatigue nach Krebs ist real – und es ist vollkommen in Ordnung, sich Hilfe zu holen.
Quellen:
Survivor Deutschland e.V.